Der Kopf – vorausgesetzt er ist besonnen und wird genutzt – ist das wichtigste Tool eines Suchmaschinenoptimierers, ja generell des Menschen an sich.
Täglich kursieren neue Tipps & Tricks zum Thema Suchmaschinenoptimierung im Internet.
Viele davon klingen verlockend, versprechen großartige Resultate und scheinen recht einfach in der Umsetzung.
Aber kann man diesem Schein wirklich trauen?
Ein kleiner Ausflug zur Schwarmintelligenz bei Suchmaschinenoptimierern …
Schwarmintelligenz ist ein neurobiologischer Begriff und kommt aus der Tierwelt. Schwarmtiere nutzen Schwarmintelligenz, um im Alltag zu überleben.
So ein Hering zum Beispiel, wird kaum 40 cm groß und wirkt sogar für Clownfische wie eine Lachnummer aus. Kurzum: Er hat es in den Meeren dieser Welt schwer.
Sagen wir es direkt – ich hoffe es liest kein Hering mit – aber: Heringe sind nicht sonderlich hübsch, eher unscheinbar und Chuck Norris isst sie ungekaut und roh.
Pro Zentimeter lauern gefühlte 30 Gegner für sie, da ist Chuck Norris noch nicht mal mit einberechnet.
Trotzdem schaffen es diese Fische zu überleben – die meisten besiegen sogar den Fasching (=Karneval), wo Heringe tonnenweise zu Matsch verarbeitet werden.
Wie kommt das?
Weil sie Schwarmtiere sind und daher von Schwarmintelligenz profitieren können.
Auch Heuschrecken sind Schwarmtiere – spezielle Gattungen davon lernen sogar vom Schwarm, wann die Zeit da ist, sich zu … vermehren.
Wenn 5% der anderen anfangen, Marvin Gaye Platten zu spielen und der Heuschreckenfrau Dessous zu kaufen, machen die anderen mit.
Was dabei heraus kommt, sind Heuschreckenschwärme.
Für die Farmer in den USA eine Katastrophe - für die Heuschrecken gut.
So überlebt am Ende, trotz Unzahl an Feinden, zumindest eine kleine Population.
Wäre der Schwarm nicht so klug, wären sie längst ausgestorben! Danke, Schwarmintelligenz!
Das soll zusammengefasst bedeuten:
Schwarmintelligenz kann für Tiere überlebenswichtig sein!
Aber auch wir Menschen nutzen sie – kognitiv in erster Linie da, wo unser Gehirn Rechenleistung sparen möchte und somit einfach dem guten, manchmal aber auch schlechten Beispielen anderer folgt.
Ohne groß darüber nachzudenken.
Dieses Phänomen findet sich auch in der Werbe- und Marketingbranche wieder.
Besonders oft natürlich im Internet – schließlich ist es das Medium, dass Neuigkeiten und Inhalte am leichtesten teilen und verteilen kann. Und das noch dazu schnell!
Nicht verschont davon bleibt leider auch die Sparte der Suchmaschinenoptimierer.
Suchmaschinenoptimierung an sich möchte ich fast als eigene Wissenschaft bezeichnen, die in dem Marketingportfolios vieler Unternehmen eine oftmals leider noch zu kleine Rolle spielt.
Sie beinhaltet bekanntlich ja schon lange nicht mehr die pure Jagd nach Rankings zu guten Keywords, sondern auch nachhaltige Maßnahmen, die dem Unternehmen auch in Zukunft nutzen sollen.
Das macht sie zu einer besonders wertvollen "Werbeform".
Dass es eigentlich nur recht wenige, bekannte Regeln dafür gibt, erleichtert den Job eines sogenannten SEOs natürlich nicht.
Vieles funktioniert über Learning by Doing, Testing oder – einem heute oft sehr raren Gut – dem gesunden und gewitzten SEO-Verstand, der abzuwiegen weiß, was er tut.
Suchmaschinenoptimierung ist eine Mischung aus Messung, Analyse von Messdaten, Technik, Logik, Werbung, Marketing, Planung, Wartung und vielem mehr.
Eine Schablone, die man über eine Website legt, und die immer bei allen Projekten funktioniert, gibt es nicht.
Auch keine Wunderformel – selbst wenn zahlreiche Angebotsfaxe oder Produktbeschreibungen so etwas anpreisen.
Insofern ist es nicht verwunderlich, dass gerade in dieser Sparte die Verlockung allgegenwärtig ist, einfach mal ohne groß nachzudenken Tipps oder Tricks anderer SEOs einzusetzen.
Das beinhaltet Gefahren – wie überall, wo man einfach ohne Bedenken ungetestet Dinge einsetzt.
Weil Paris Hilton gerne Prosecco trinkt, muss das nicht bedeuten, dass sie die beste Werbeikone dafür ist.
Eindeutige Beispiele, wie das damalige Dilemma mit den sogenannten "Russenlinks" brauche ich ja vermutlich nicht erst erwähnen.
Aber in Wirklichkeit beginnt der Hering oftmals schon am Kopf zu stinken.
Nämlich beim blinden Folgen irgendwelcher Anleitungen oder Erfahrungsberichte.
Da schwirren dutzende Tipps und Meinungen zum Thema Onpage-Optimierungen herum, die schon alleine der Logik nach nicht funktionieren bzw die Usability der Seite so einschränken, dass man nahezu von Sisyphus-Arbeit sprechen möchte. Da könnte man gleich Gras auf Asphalt anpflanzen oder versuchen, Red Bull mit Magentee vom Markt zu verdrängen.
Erkennen würde man die mangelnde Praxistauglichkeit schnell, wenn man ein bisschen darüber nachdenken würde, was die Änderung denn auslöst und ob man diese Folgen überhaupt wirklich möchte.
Vom Thema Offpage Optimierung brauche ich erst gar nicht anfangen:
Das blinde "Linksammeln" ist ja ein weit verbreiteter Irrglaube, bei dem ganze Horden von SEOs oft völlig unnützen Linkpartnern oder Webkatalogen nachlaufen.
Da werden Stunden, Tage und Wochen dafür aufgewendet, Linkpartner anzuschreiben und zu finden, die in Wirklichkeit keinen Nutzen bringen.
Das ist aber nur die Spitze des vielzitierten Eisbergs: Denn selbst Suchmaschinen von sibirischen Hobbyprogrammierern wissen mittlerweile, dass nicht die Größe sondern die Technik zählt.
Wenn ihr versteht, was ich meine …
Natürlich möchte ich damit nicht sagen, dass alle Infos nutzlos sind – im GEGENTEIL!
Gerade in einem so komplexen Bereich wie Suchmaschinenoptimierung ist es wichtig, dass Gleichgesinnte ihr Wissen austauschen, weil jeder davon profitieren kann, wenn man Tipps weitergibt.
Selbst wenn viele Tipps falsch oder schlecht sein sollten: Wenn man out of the box denken möchte, muss man sich auch damit befassen, warum schlechte Dinge schlecht sind.
Die meisten Tipps lassen sich getrost einsetzen – aber nicht immer passt alles zu jedem Projekt und meistens muss man den Tipp selber erst adaptieren, um ihn wirklich effektiv einsetzen zu können.
Was hier passt, muss nicht unbedingt dort auch passen – siehe Paris und ihre Dosenbrause.
Und natürlich möchte ich niemanden unterstellen, dass er absichtlich falsche Tipps oder Infos herausgibt.
Manchmal sind solche Ratschläge aber viel zu wenig getestet, funktionieren nicht oder es wurden oftmals Daten auf falschen Grundlagen ausgewertet und umgesetzt.
Viele Dinge entstehen durch Messfehler:
So dachte Curie anfangs, dass die radioaktive Strahlung nicht gefährlich sei, weil sie sich vermessen hatte.
Die Folgen kennt man ja.
Genau so, wie man früher alles mit Blei versetzt hat, weil es billig und gut war.
Bis man dann eben merkte, dass man Daten falsch ausgewertet hatte, und Blei in Wirklichkeit nicht so toll ist …
Daher mein Fazit: Weiter alle Infos sammeln, die man bekommen kann – aber überlegen, was man davon braucht und was nicht.
Und auch nachdenken, wie weit es überhaupt brauchbar ist.
Im Prinzip geben die großen Suchmaschinen bzw ihre Richtlinien und der Sinn der Suchmaschinenoptimierung ja schon vor, wie man handeln sollte:
So, dass sich Crawler UND der Besucher wohlfühlen. Langfristig.
(Schlägt die Waage nur auf eine Seite aus, hat man etwas falsch gemacht!)
Insofern arbeitet man MIT den Suchmaschinen, nicht gegen sie.
Daraus kann man die Schlüsse ziehen, die man braucht, um abzuwiegen, ob man dem Schwarm nun folgen kann, ob man dem Schwarm nur teilweise folgen kann oder ob man lieber die Finger davon lassen sollte.
Wie erwähnt: Ich sehe Suchmaschinenoptimierung als eine Art kleine, nachhaltige Wissenschaft, die nur wenig konkreten Gegebenheiten folgt.
Man kann nicht sagen: Ich dreh mal hier, dann drück ich auf den roten Knopf, und los geht die Party! So einfach ist weder SEO noch das Leben.
Nur wenn man im Einklang mit der Suchmaschine, den Rankings, dem Auftraggeber – und ganz wichtig – den Nutzern ist, kann eine Entscheidung klug sein.
Und wie es bei Wissenschaft eben so ist, geht da nichts ohne das Nachdenken.
Was nützen tolle Tools, super Versprechungen und halb lustige Erkenntnisse, wenn man sie nicht einsortieren kann.
Das neuronale Register ist noch immer das wichtigste. Weit weit weit vor DMOZ, YAHOO & Co …
Der Kopf – vorausgesetzt er ist besonnen und wird genutzt – ist das wichtigste Tool eines Suchmaschinenoptimierers, ja generell des Menschen an sich.
Er sollte nicht erst eingesetzt werden, wenn man sonst nicht mehr weiter weiß.
Das weiß zwar der Hering nicht, aber wir Fachleute schon.
Gott sei Dank!