Kolumne

Wort zum Sonntag – Woche 02-2011: Zahnalarm!!

Es gab schon viele Plagen, die versucht haben, mir ernsthaft zu schaden.
Die ständig Ungewissheit zum Beispiel, wie ich meine Platten und Bücher am besten sortieren soll. Das ist ein geistiges Problem, dass mich manchmal an den Rand der Belastbarkeit bringt und dem ich schon unzählige Stunden in meinem Leben gewidmet habe. Nur eine falsche Entscheidung und es könnte verheerende Folgen haben.

Die quälende Auswahl in Supermärkten, Buchhandlungen, Elektrofachketten oder Plattenläden im Verhältnis zum vorhandenen Budget, Nutzungsbedarf und den Einsatzmöglichkeiten. Das muss alles wohl überlegt sein und darf nicht zu lange dauern, sonst wird man schnell aus dem Supermarkt, der Buchhandlung, der Elektrofachkette oder dem Plattenladen geworfen!

Und irgendwo in diese Schlange ordnen sich auch Zahnschmerzen ein.

Ich bin wahrlich keine Memme. Sollte es nötig sein, weil zum Beispiel Zombies oder Aktienschwäche über die Welt hergefallen sind, könnte ich mir sogar selbständig den Blinddarm entfernen oder eine Magenspiegelung verpassen. Ohne Narkose. Ohne einen Wimpernzucker. Ohne Wundbrand.
Nun ja, aber jeder hat so seine Achillesferse – und meine sind die Zähne. (Klingt anatomisch verwirrend.) Ich habe, um es kurz und undramatisch zu sagen, “Respekt” vor Zahnärzten. Somit sind Zahnschmerzen für mich so etwas, wie für Mathematiker das Teilen durch 0 – eine Qual.

Man kann meine Phasen der Qual in 3 Stadien unterteilen:
1. Verleumdung
Nein, ich habe keine ZAHNSCHMERZEN! Das ist nur ein nervöses Zucken eines Nervs und kommt bestimmt nicht von den Zähnen, sondern von den Ohren oder vom Hals oder vom Stress oder vom Vollmond!
Nein, das ist keine GESCHWOLLENE BACKE! Ich bin heute nur unsymmetrisch. Soviel Freiheit werde ich doch wohl noch haben, zu entscheiden, wenn ich beide Seiten gleich oder ungleich haben will, oder?

2. Erkenntnis
Ok, ich habe vielleicht etwas Zahnschmerzen. Aber das bedeutet nicht, dass sie nicht von selber wieder weggehen können. Kein Grund zur Besorgnis.
Ok, gut … sie sind nach 14 Tagen immer noch nicht weg, ich weine viel und kann nichts unter 50 Grad Temperatur essen und nicht über 60 Grad Temperatur trinken. Das Leben ist ungerecht.

3. Handlunsbedarf einkreisen
Ich arbeite taktisch heraus, welche Möglichkeiten mir bleiben.
a) Selbstmedikation : Ich könnte Kontakte zu Medikamentenschmugglern herstellen und versuchen, mich selbst zu heilen. Mir ist aber kein Medikament bekannt, dessen Einnahme 80 oder mehr Jahre lang nicht zumindest kleine Nebenwirkungen hat. Und so ein guter Spieler bin ich dann auch wieder nicht, dass mir das egal wäre!
b) Alternativmedizin : Ich lache zwar Menschen sonst aus, wenn sie nicht an die “Kraft” von chemischen Substanzen glauben, aber vielleicht hilft es ja, wenn ich Bachblüten, Globuli oder Heilkräuter in mich hineinstopfe. Bei den Gurus in Indien und den Vortänzern bei der Pensionistengymnastik im bayerischen Rundfunk klappt das schließlich auch.
c) Neuanfang : Ich erwäge ein Leben völlig ohne Zähne. Ich meine … es gibt doch heutzutage schon wirklich schmackhafte Tütensuppen oder Babybrei. Da wird Ernährung doch bestimmt nicht langweilig! Ich wusste schon immer, dass in mir auch ein Pionier steckt. Ich kann der Menschheit zeigen, dass es auch so geht.

Im Endeffekt überwiegt dann doch die Vernunft und das gute Zureden von anderen Menschen (steter Tropfen höhlt die Zahnwurzel) und ich gehe zum Zahnarzt.
Dort gibt es eine gute Narkose und nach nur wenigen Minuten ist mein Problem gelöst. Der Zahnarzt ist ein netter Mann, den ich eigentlich gut leiden kann, und der mir rührend versichert, dass das, was er tun muss, ihm mindestens so weh tut wie mir. (Ich glaube ihm das nur, wenn ich wirklich sehr berauscht bin von den Betäubungsmitteln oder vom Lächeln der hübschen Zahnarzthelferin. Also immer.)
Ich gehe mit einem Lächeln (sieht man dann nicht, ich bin schließlich um bis zu 8000% angeschwollen) aus der Praxis und schwöre mir:
Das nächste mal mache ich keinen solchen Wirbel, ist doch alles nur harmlos!

Und das halte ich auch fix ein. Genau bis zu dem Zeitpunkt, wo ich wieder Zahnschmerzen habe.