Kolumne

Wort zum Sonntag – Woche 49-2010: Die Wahrheit über SCHNEE

Vorwort
Mein Anwalt hat mir empfohlen, einen Haftungsausschluss für dieses WzS zu verfassen, weil es gar SO giftig ist.
Ok, ok … ich bezahle den Mann gut, da kann ich mich auch an seinen Rat halten.

Haftungsausschluss

Nachdem ich das Wort zum Sonntag-System auf öffentlich umgestellt habe, bekomme ich viele Reaktionen – und neue Leser.
Danke dafür!
Viele loben und finden es SPITZE, manche halten es sogar für eine SENSATION, einige – wenige – empfinden es als SKANDALÖS.

In dieses Schema möchte ich mich weiterhin einreihen und auch heute ein Thema mit “S” behandeln.

Sex wird es mal nicht, dieses Thema ist eh präsent genug und so richtig viel habe ich dazu nicht zu sagen.
(Würde höchstens ein Quickie werden.)
Schwedinnen kann ich nicht nochmal bringen, das war erst.
(Auch dieses Thema hat mal ausgelutscht.)
Sparbudget …Nein, sicher nicht.

Daher geht es diese Woche weil es passt – um den Schnee!

Schnee ist ja ein viel besprochenes Thema.
Wenn wir keinen haben, wünschen wir ihn uns, wenn er da ist, jammern viele.
Wir Österreicher haben im Ausland den Ruf, dass wir alle mit Schnee umgehen können, weil es bei uns ja sowieso immer schneit.
Angeblich.
So ganz stimmt das nicht.
Das ist ein Klischee.

1. Es schneit nicht das ganze Jahre über in Österreich!
Wir haben 1-2 Monate, da schneit es nur nachts – und selbst da relativ wenig.

2. Nicht alle Österreicher können wirklich mit Schneefall umgehen.
Die Quote liegt bei 9 von 10 Bundesländern!
Burgenland, Steiermark, Kärnten, Salzburg, Oberösterreich, Tirol, Vorarlberg, Niederösterreich und Kalifornien kommen ganz prima mit Schnee klar.
Wien nicht.

Ja, jetzt kommt eine kleine Abrechnung mit Autofahrern aus der Stadt, die zu Österreich so gerne “Wien und Restösterreich” sagt.
Ja, ich weiß: Viele werden sich auf den Schlips getreten fühlen.
Ja, mir ist das völlig egal!
Ich hab da kein Gewissen. Und wenn doch, habe ich es seit meiner Geburt noch nicht gefunden.
Daher muss das sein.
Wiener sind bei Schnee nämlich so legendär schlechte Fahrer, dass sie schon bei 2 aufeinander liegenden Flocken völlig hilflos werden und an ihrem Dasein zweifeln.
Schneit es in Retsösterreich, so sagt man dazu Schneefall. Schneit es in Wien, so sagt man dazu Katastrophenfall!
Wenn man als “Restösterreicher” an einem Tag nach Wien muss, an dem es schneit, lohnt es sich zu Fuß zu gehen.
Egal wie weit man es hat. Man ist trotzdem schneller. Und sicherer.
Denn selbst die Öffis sind dann voll von vor Angstschweiß gezeichneten Menschen, die panisch in die Luft starren oder beten und sich wünschen, Österreich möge tropisch werden.
Aber warum?
Naja … anfangen tut es mal so.
Wiener deuten die Reifenbeschriftungen völlig falsch.
M+S steht dort für Reifen, die man erst ab Mödling und Stockerau benutzen muss.
Nicht aber in Wien selbst.
Kein Wunder also, dass dort blankes Entsetzen auftritt, wenn es auch nur nach Schnee riecht.
(Riecht Schnee eigentlich? Außer gelber? Und wenn ja – riecht es VOR Schnee wirklich?)
Eigentlich sollte man wissen, dass das Fahren mit Sommerreifen im Winter so ist, als würde Justin Bieber “One night in Rihanna” drehen wollen.
Unmöglich. Klingt schon falsch.

Dazu kommt eine hartnäckige und permanente Selbstüberschätzung, die man in Wien gratis mit Erlangen des Fürherscheins verliehen bekommt.
(Der heißt dort übrigens “Fetzn”, und wenn man Wiener fahren gesehen hat, dann findet man das auch passend.)
Ein Wiener hält sich deswegen nämlich selbst für die Krönung der motorisierten Schöpfung, wenn er seine durchschnittlichen 5,2 km in die Arbeit zurück legt.
Er fühlt sich ständig behindert, jammert, schimpft und kann nicht verstehen, warum Restösterreich nicht einsehen will, dass Rote Ampeln nur eine Hilfsbeleuchtung sind und keine Pflicht. Außerhalb von Wien – also ab der Stadtgrenze zum landwirtschaftlichen Nutzgebiet – verliert er aber auf mysteriöse Art und Weise seine Superkräfte und wird zur per Motor angetriebenen Supermemme und zum absoluten Hindernis auf asphaltierten Transitstrecken.
Selbst ein Kuhabtrieb von der Alm quer über die Autobahn macht mehr Spaß, als Fahrern mit dem “W” Kennzeichen in freier Wildbahn zuzusehen.
Und man ist selbst mit abgetriebenen Kühen schneller wieder daheim.

Eine 2009 durchgeführte, wohl repräsentative Umfrage hat ergeben, dass die schlimmsten Dinge, die einem auf der Straße passieren können, folgende sind.

5. Fahrer mit Hut
4. Fahrer ohne Hut, die so schlecht fahren, als hätten sie den Hut nur daheim vergessen
3. Deutsche (Bayern ausgenommen. Das sind ja quasi auch Österreicher.)
2. Fahrer mit schwarzen Kennzeichen
1. Wiener

Daher hat sich in Österreich auch ein Telefon-Spruch durchgesetzt, der so geht:
“Darling, bleib so wie du bist, ich bin in 10 Minuten bei dir. Vorausgesetzt es ist keine Naturkatastrophe, kein Unfall, kein Traktor ODER kein Wiener vor mir.”

Zur Verteidigung der Wiener muss man aber sagen, dass sie auch nicht das Training haben, auf das wir Restösterreicher zurückgreifen können.
Wir haben es quasi täglich mit wildwechselnden Bären – oder die Kalifornierer mit Ufosichtungen – zu tun oder mit kreuzenden Molti Spotzl Pichlers und wissen daher, wie man vorausschauend und dennoch raumgreifend fahren kann. In Wien wechseln nur Straßenbahnen und die kommen äußerst selten von den Schienen runter.
Wie soll man da auch groß Erfahrung mit schwierigen Verkehrssituationen haben? Eben.
So ganz böse sein darf man den Zentralösterreichern also nicht, wenn man hinter ihnen im Verkehr festklemmt, sobald es schneit.
Sie können nichts dafür. Teilweise zumindest.