Wort zum Sonntag – Woche 38-2011: Partyanimal
Es gibt viele Gründe die für mich sprechen. In vielen Bereichen.
Okay, das ist ein alter Hut, ihr wisst das bereits, sonst würdet ihr das nicht lesen.
Worte wie “awesome” oder “prunkvoll” sind extra für mich erfunden worden – und dafür musste ich noch nicht mal in die Lobbyingkasse greifen oder Grundstücke in Kärnten kaufen.
Und wenn ich das Selbstgeschleime, das ich wegen meines guten Charakters doch gar nicht nötig habe, mal weglasse, kann ich nüchtern sagen – jetzt wo das Wochenende anbricht:
Eigentlich bin ich ein netter Typ.
Und zwar ein netter Typ, den man wirklich gerne auf seine Party einlädt. Einladen sollte!
Wieso? Folgend ein paar Punkte, die keine Werbeanzeige sind, sondern eher eine Funktionsbeschreibung.
So wie bei einem Radiowecker – da steht dann halt eben nicht “Ist ein Radio” oder “Kann sie wecken”, sondern das:
1. Ich bin Themenexperte
Man kann mich wahllos zur Gruppen stellen, die sich auf natürliche Art und Weise so auf Parties bilden und ich bin sofort im Thema.
Das ist, weil … naja, ich weiß nicht.
Ich interessiere mich eben für viele Dinge.
Es ist absolut völlig umfassend egal, welche Gruppe das ist:
Sind es Menschen, die sich wegen der Wirtschaft sorgen machen, dann kann ich mir deswegen auch entweder Sorgen machen, oder wenn ich ganz ausgelassen bin, ihnen glaubhaft verkaufen, dass alles gar nicht sooo schlimm ist und wieder gut wird…
Wenn es Menschen sind, die über ihre Hübschheit reden, so schmeichle ich ihnen, weil sie das sicher hören wollen, wenn sie hübsch sind.
Auch zu komplexen Themen habe ich etwas zu sagen:
Ich habe eine recht deutliche Meinung zur russichen Zarenherrschaft. Die ist ja ein gern gesehenes Party-Thema.
Ich habe mir auch Meinungen zum Gesundheitssystem in Amerika gebildet, die ich wahllos von Pro auf Contra switchen kann – man weiß ja nicht immer, wie die Menschen so sind, die man auf der Party trifft.
Es kann ihnen bei diesem Thema ja auch zum Beispiel schlecht gehen – weil sie vielleicht Amerikaner sind.
Oder welche kennen. Wobei – das wäre schon dramatisch weniger schlecht.
2. Ich tanze nicht. Ohne Ausnahme
Jeder kennt diese Partygäste, die ab einer gewissen Promillegrenze oder Uhrzeit dann anfangen, sich körperlich an der Qualität der Musik zu beteiligen.
Das bedeutet: Sie meinen, sie müssten sofort und unverzüglich tanzen.
Mal ehrlich: Wenn es nicht gerade um MTV-Videos oder Musicals geht, können Menschen nicht tanzen.
Das sieht immer furchtbar aus.
Und peinlich.
Keine Sorge – ich bin mir meiner motorischen Legasthenie völlig bewusst.
Ich kann mich beherrschen und mit reiner Willenskraft meine Muskeln zu unbeweglichem Zement machen.
Das hilft ungemein, wenn man sich nicht bewegen will.
Außer man ist Waldorf-Schüler und muss seinen Namen tanzen. Dann würde man sitzen bleiben – aber das geht da ja sowieso nicht.
Sollte es wirklich üblich oder gefordert sein, weil es eben alle machen, oder irgendein Witzbold die Party schnell in “Konzert” umbenannt hat, kann ich auch ein bisschen Wippen.
Gerade cool genug, um nicht als euphorisch zu gelten, gerade sparsam genug, um nicht als katatonischer Notfall zu wirken.
Das ist doch prima, oder?
Ich wüsste nicht, was mich motorisch zu einem besseren Partygast machen würde!
3. Ich trinke, rauche, tropfe nicht
Wenn es eine Party ist, bei der kein Alkohol vorkommt – HEY, kein Problem!
Ich trinke seit meinem 5 Lebensjahr konsequent nicht mehr, und schon der Geruch von Kinderbowle bringt mich zum Lallen.
Wenn allerdings Promillegebot herrscht, kann ich durch eisernen Griff am Glas die Farbe meines Red Bulls so verändern, dass sie auf Fremde wie die von Red Bull Vodka wirkt.
Wird geraucht, erzeuge ich Ersatzdampf, der mich wie einen Zigarrenpaffer dastehen lassen kann.
Wird nicht geraucht, fühle ich mich auch wohl. Weil ich ja nicht rauche.
Ich bin außerdem sehr souverän im Umgang mit Flüssigkeiten – egal ob es um Ausscheidungen des Körpers geht oder um Dinge, die ich im Glas, der Flasche oder dem Plastikbecher habe.
Ihr könnt all die Menschen, auf deren Parties ich schon war, fragen – keiner wird mich als Tropfer, Spritzer, Pinkler oder Ergießer in Erinnerung behalten haben, darauf lege ich großen Wert.
4. Ich werde nie grauslich
Guter Umgangston ist mir wichtig.
Selbst wenn ich fluche, entschuldige ich mich danach, weil ich weiß, dass sich das so gehört.
Das halte ich auch bei Parties so.
Natürlich kann auch ich zotig sein, wenn es sein muss – aber dabei bin ich nie respektlos.
Weder in Worten, noch in Gesten, schon gar nicht in Handlungen.
Noch nie bin ich bei einer Party durch sexuelle Anzüglichkeiten, unpassende Bemerkungen oder gar sexuelle Themen aufgefallen.
(Und dieses eine Mal, dass es da gab – da schwöre ich, dass der Pullover des Mädchens gebrannt hat, und ich ihn mit meinen 2 hohlen Händen löschen wollte! Alles andere ist eine gemeine Lüge und wurde nie bewiesen.)
5. Ich hab einen 5 Sitzer
Die Tatsache, dass ich nicht trinke, habe ich erwähnt, oder?
Gut. Dann möchte ich noch ergänzen, dass ich zwar nicht abgelegen wohne, aber doch da, wo es nicht unmittelbar ist.
Unmittelbar in der Nähe von irgendwas.
Ich muss also immer fahren – und somit bin ich auch gerne als Fahrer gesehen, weil ich auch die nötige staatliche Erlaubnis dazu besitze.
Ich schwöre: Mein Auto hat schon viele Betrunkene Fahrgäste gesehen, oft sogar weibliche.
Die Tatsache, dass ich noch nie jemanden davon im Wald vergraben habe und nicht mal verstohlen versuche, einen Blick auf Unterwäscheblitzer zu werfen, macht mich auch als Chauffeur beliebt.
Außerdem lerne ich aus Fehlern. Ich habe zum Beispiel nach dem damaligen “Zeichenvorfall” keine Buntstifte oder gar Lackstifte mehr im Auto, die Betrunkene nutzen könnten, um andere Betrunkene zu bemalen oder zu beschriften.
So, ich glaube mal 5 Gründe reichen, oder?
Also, liebe Hugh Heffners, Paris Hiltons und russische Ölmagnaten da draußen:
Worauf zur Hölle wartet ihr noch?
Ladet mich ein!
Und ja, ich weiß dass das auch in die andere Richtung gehen könnte – auch ich kann Parties schmeissen. Und alle einladen!
Mache ich aber nicht!
Wieso?
Ganz klar – weil ich fürchte, dass nicht alle so gern gesehen Partygäste sind, wie ich einer bin.
Die Farbe meines Fußbodens harmoniert nicht mit Erbrochenem.
Ich mag es nicht, wenn fremde Leute in meinem Bett rummachen, und ich nicht dabei bin.
Ich mag es auch nicht, wenn jemand meine Sachen anfasst, ohne dass ich seinen Namen kenne.
Ich habe Wertgegenstände, die fälschlicherweise oft den Eindruck von Wurfgegenständen machen.
Und ich kann es absolut nicht leiden, wenn dann immer auf meinen Möbeln herumgestrippt wird …ekelhaft!
Ja, bestimmt deswegen. Genau deswegen organisiere ich nicht so oft Parties.
Oder wegen dem großen Clowngeburtstagsdesaster 1992 … aber das ist eine andere Geschichte.
Und die geht sich heute nicht mehr aus. Leider.
Oder gut so – sonst kommen dann doch auch einige sehr unschöne Partyerinnerungen hoch …


