Kolumne

Wort zum Sonntag – Woche 23-2011: Das Derby

Wir schreiben Freitag, 03. Juni 2011, kurz vor 13 Uhr – also: Nur mehr wenige Stunden bis zum Ländermatch gegen Deutschland. (Wir verabschieden uns hiermit von den weiblichen Lesern.) Für uns Österreicher ist es immer speziell, wenn wir gegen Deutschland spielen. Für die Deutschen nicht, …

Weil wir nicht die Franzosen, die Italiener oder die Brasilianer sind

Ja, so ist es. Sportlich gesehen sind wir als Gegner im Fußball relativ langweilig für Deutschland. 3 Punkte zum Mitnehmen – in etwa wie die Telefonnummer um einen Euro bei McDonalds. Und bevor es dann wieder heim geht noch schnell billiges Tanken bei den Ösis. Interessanter wäre es, wenn wir die Franzosen wären. Sind wir aber nicht, wir tragen nämlich im Sommer keine innen gefütterten Baumwollunterhosen und sind durchaus willig, die englische Sprache zu erlernen. Die Italiener sind wir auch nicht, obwohl unser Bundeskanzler so viel grinst, wie der italienische Präsident in Wirklichkeit zu lachen hätte. Und auch hier wieder – wir sind durchaus willig, die englische Sprache zu erlernen. Die Brasilianer sind wir auch nicht, dazu sind wir zu blass, zu langweilig und die Bikinifigur sitzt auch nicht so perfekt. Hier hab ich den Faden verloren – die Brasilianer können nämlich Englisch, noch dazu mit coolem Akzent.

Weil wir ein Jausengegner sind

Ja, wie schon im Absatz zuvor erwähnt – sportlich gesehen sind wir keine Herausforderung. Unsere Fähigkeiten sind begrenzt, wir bräuchten schon einen guten Tag oder wahlweise einen sehr schlechten Tag der Deutschen, um auch nur den Hauch einer Chance zu haben. Aber vielleicht ist ja gerade das ein psychologischer Vorteil. Quasi die Gurkengarnitur zum Abendbrot.

Weil viele Deutsche gar nicht wissen, was “Austria” ist

Laut deutscher Pisa-Studie ist Österreich ein Kanton, das zu Bayern gehört. Irgendwo neben Unterhaching liegt Österreich. Glaubt jeder 2. unter 20 jährige Deutsche. Was wir tun könnten, um sie aufzuklären? Den Terminator zum Präsidenten machen vielleicht. Nächstes Jahr beim Songcontest 12 Punkte für Deutschland geben. Oder Moneyboy von Bushido signen lassen.

Ansonsten so:

Naja, es wird schwer. Viel wird nicht zu holen sein, und im Prinzip werden wir Österreicher nach dem Spiel wieder sagen:
Dafür sind wir besser im Schifahren!
(Bei den Herren!)
Dafür haben wir ein Weltmeister-Team in der Formel1!
(Mit deutschem Fahrer!)
Dafür haben wir euch Frank Elstner geliehen!
(Der seine großen Erfolge im deutschen Fernsehen hat!)

Und eventuell da haben wir auch eines der wenigen tatsächlich existierenden Probleme von uns kleinen Österreichern:
Wir haben – relativ betrachtet – ein sehr fragiles Vermögen zur Selbstreflexion.
Wir sind wie die Mädels, die Durchschnittstypen immer zu hoffen finden: Gut aussehend, brilliant, lustig, haben aber überhaupt kein Selbstvertrauen und sind so relativ billig zu haben. Dabei muss das nicht sein – selbst wenn wir schlecht im Fußball sind, bleibt uns dann doch noch sehr sehr viel, auf das wir stolz sein können. Wenn wir das dann nur nicht immer als Begründung nutzen würden, weil wir vielleicht andere Dinge nicht gut können. Insofern bleibt mir, ganz patriotisch und weise, zum Abschluss noch zu sagen: Das Jammern ist das Vitalzeichen eines gesunden Landes. Wer nicht jammert, hat Wichtigeres zu tun.

Achtung, Postskriptum!

Diese Box ist cool, oder? Genau deswegen nutze ich sie auch gleich mal, weil ich wegen Likes und +1 betteln möchte. Das tue ich normalerweise nicht, bzw bezahle ich im Stillen dafür, aber hier möchte ich gerne etwas testen. Daher sage ich schon vorweg – Danke fürs “Gefällt mir” und “+1″ klicken!