Kolumne

Wort zum Sonntag – Woche 22-2011: Die Crux mit der Technik!

Wir Menschen sind schon seltsame Lebewesen. Ständig tun wir Dinge, die zwar nötig, aber nicht unbedingt immer auch beliebt sind. Und nein, keine Sorge: Folgend geht es nicht um Weltpolitik oder so. Sondern um Technik und Technologie. Wenn wir ehrlich sind: Technik macht uns das Leben schon leichter. Manchmal aber eben zu leicht, und daher bin ich absolut überzeugter Vertreter der Fraktion, die sagt, dass man auch mal Technik-Pause machen sollte. Wieso? Leicht erklärt!

Technik rettet uns den [Bitte einsetzen]. Manchmal.

Man stelle sich einmal vor: Man ist auf dem Weg zur Uni, weil man Klausur hat. Oder was auch immer. Auf halbem Weg merkt man dann aber, dass man zuhause vergessen hat, sich eine Hose anzuziehen. Was also tun? Mit Technologie lässt sich sowas leicht lösen – Handy raus, ein bisschen herumsuchen, nächsten Hosenladen finden, fertig. Und mal ehrlich: Das ist ein Problem, dass doch jeder von uns schon so oft gehabt und gelöst hat, oder? (Mädels dürfen “HOSE” mit “ROCK” ersetzen, wenn ihnen das dann leichter fällt. Ich bin ja tolerant und unterstütze kognitive Eselsbrücken.)
Noch so ein Beispiel … Es ist Samstagabend und plötzlich fällt einem ein: Mist, man ist auf eine Geburtstagsfeier eingeladen und hat das Geschenk vergessen. Normalerweise kein Problem, aber das Geburtstagskind ist sehr launisch – um es noch bildlicher zu machen: Es ist Chewbaccas Geburtstag Sein 50er. Man hat irgendwie keine Lust, wegen einem fehlenden Geschenk die Arme ausgerissen zu bekommen. Was macht man also? Rein ins Internet, einen Buchgutschein für Chewie bei AMAZON ausdrucken und fertig. Damit kann er selbst dann einkaufen, wenn er Kindle nutzt. Prima! Man wird am Ende des Tages vielleicht toll mit Prinzessin Leia gefeiert haben und kann beide Arme unter den Kopfpolster stecken, weil man sie beide noch hat.
Noch nicht plastisch genug? Ok … Romantisches Date mit neuer Flamme. Es läuft prima! Man hat es bisher vermieden, mit Anlauf in Fettnäpfchen zu springen, man hat jeden kompromittierenden Blick auf den Ausschnitt vermieden und findet es großartig, wie sie über die Scherze lacht, die man so macht. Doch dann passiert das Unfassbare – sie möchte plötzlich wissen, wie man zur politischen Lage in Liberia steht. Super schlimm. Keine Ahnung! Panik bricht aus! Was macht man? Man verabschiedet sich schnell auf die Toilette, surft mit dem Laptop des Kellners Wikipedia an und hat schnell und effektiv in 30 Sekunden gescannt, was man wissen muss. Lage bereinigt. Alles andere ist nur mehr Floskeldrescherei.

Ein bisschen einfach, findet ihr nicht?

Ich schon. Ganz so einfach sollte man es nicht machen – mit etwas mehr Kreativität und viel weniger Technik hätte sich das auch alles lösen lassen. Man sollte auch überleben, wenn Technik nicht dabei ist. Oder gerade der Akku aus ist.
Die Hosensache zum Beispiel. Einfach kreativ sein! Ohne Hose auf die Uni gehen und sagen, dass sei der neueste Hosentrend aus Frankreich. Alle hippen Guys & Girls stehen auf Modetrends aus Frankreich und werden einem aus der Hand fressen. Wenn Etwas aus Frankreich kommt, ist es immer hipp – selbst wenn es grauenhaft ist. Franzosen machen grauenhafte Dinge zu hippen Must-Haves. So redet man sich raus. Mit der Macht der Franzosen. Und: Man ist an dem Tag vermutlich der einzige und erste, der diesen neuen Trend an der Uni hat. Vom peinlichen Hosenvergesser hin zum modernen Trendsetter. GANZ ohne Technik!
Und Chewies Geburtstag – jeder freut sich über selbst gebastelte Geschenke. Ein paar Zahnstocher und Kastanien hat man immer daheim und daraus kann man …. naja … – mir fallen TAUSENDE coole Sachen ein – machen! (Die kann ich euch natürlich nicht verraten. Mal angenommen, ihr habt den selben Freundeskreis und vergesst auch öfter mal Geburtstage – wenn wir dann das selbe Kastaniengeschenk haben, ist es für uns beide peinlich. Das will ich nicht. Vor allem wegen mir. Wenn ihr euch blamiert, ist das eure Sache.)
Die Sache mit dem Date lässt sich mit Kreativität ebenso lösen. Man könnte antworten: “Keine Ahnung, aber dein Ausschnitt ist prima!”. So ziemlich jedes Mädchen wird diese Antwort lieben und man wird als Junge sofort auf eine Stufe mit dem Coca Cola Light-Mann gestellt. Garantiert! Oder man sagt: “Ich bin sehr besorgt wegen Liberia, wegen deiner wunderschönen Augen kann ich mich aber gerade nicht in das Thema fallen lassen.”.
Auch prima, müsst ihr zugeben. Oder?

Das Fazit:

Natürlich muss man nicht auf Technologie verzichten – im Gegenteil. Wozu auch? Die Zahl der Dinge, die uns das Leben erschweren, nimmt täglich zu. Da kann man die wenigen Dinge natürlich nutzen, die dem entgegenwirken. Ich finde aber, dass man sich immer ein gewisses Mindestmaß an Gehirnschmalz reservieren sollte und nicht immer 100% auf Gimmicks und Gadgets vertrauen sollte. Manchmal sind diese Dinge sogar absolut Fehl am Platz. Man kann sich ruhig ein Vorbild an Anderen nehmen, die mit Technik zwar auch viel erreicht haben, aber auch ohne Technik echte Typen waren. Captain Kirk zum Beispiel. Der hatte Charisma. Der wäre selbst ohne seinen Kommunikator (der übrigens nur ein Braun-Rasierer war, bei dem man das Kabel abgeschnitten hatte) ein gut frisierter, smarter Typ gewesen. Egal auf welchem Planeten.