Kolumne

Wort zum Sonntag – Woche 16-2011: Frühling(sgefühle)

Bianca interessiert sich nicht für Vögel. Da kann es durchaus sein, dass sie sich auch nicht für den Frühling interessiert. Ines interessiert sich wiederum für Schreibweisen ihres Namens und Verzögerungstaktiken. Das kommt beides hier aber auch nicht vor. Was könnte beiden dadurch passieren? Richtig! Sie könnten dieses Wort zum Sonntag verpassen. Weil ich nicht so gut in Überleitungen bin:
NICHT VERPASST hat der Rest der Menschheit, dass es schön langsam aber doch Frühling wird.

Frühling ist schon irgendwie eine merkwürdige Jahreszeit. Genau genommen hat der Frühling nur 1/4 Anteil am ganzen Jahr. Der Frühling ist beliebt, obwohl es im Winter wegen Weihnachten sogar MEHR Geschenke gibt. Nicht nur bei Märzenbechern steht er ganz oben im Beliebtheitsranking. Auch anderswo wachsen und gedeihen die Stengel nur so. Und das meine ich gar nicht, wie ihr kleinen Ferkelchen das jetzt glauben werdet – ich spreche natürlich die Frühlingsblumen schlechthin an, die Schneeglöckchen. Deren Erfolgsprinzip ist es nämlich, dass ihre Stengel beim Wachsen zwischen 8-10 Grad warm werden können und so auch durch die hartnäckigste Eisschicht stoßen. Das ist doch mal sinnvoll. Und ja – ich finde eure Gedanken schon etwas schmutzig. Aber naja, es ist ja auch Frühling. Da bin ich toleranter, weil sich einiges ändert.

Zuerst mal ändert sich der Kleidungsstil. Im Winter laufen die meisten Menschen wie kleine, gut eingepackte Michelin-Männchen durch die Gegend. Also: Völlig asexuell. Asexueller als Steve Urkel, C3PO oder Sheldon Cooper. Niemand, ja wirklich niemand, der daran etwas Erotisches finden könnte. Im Frühling kommt es dann plötzlich zur optischen Explosion, es wimmelt quasi nur so von freigelegten primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen, die präsentiert werden, wo sie nur können. (Auch das ist wissenschaftlich erfasst: Keine andere Jahreszeit produziert so viele Harnwegsinfekte wie der Frühling. Auch Urologen müssen finanziell überleben.) Selbst beim Sport draußen wird jetzt heftig abgelegt und aus prüden Europäerinnen, die sich kaum über Zoten bei Sex and the city lachen trauen, werden bekleidungstechnisch quasi Brasilianerinnen beim Beachvolleyball. Apropos Sport – das gefällt selbst denen, für die nur Rittersport infrage kommt.

Ob das Minus an Bekleidung der Hauptauslöser ist, oder schlichtwegs das Mehr an UV-Licht, ist egal, aber: Im Frühling ändert sich auch der Hormonhaushalt! Der explodiert! Wobei Explosion eine Verniedlichung ist – es ist viel mehr so, als würde man in einen See voller Cola eine Tonne Mentos reinkippen. Die Reaktion darauf wäre sogar noch am Mond spürbar und wenn es wirklich einen Mann im Mond geben sollte, würde der sagen: “Sieh mal einer an, wieder Frühling auf der Erde.”
Schuld daran ist im wesentlichen Maße das Melotinin, das unseren Schlaf fördert. Im Winter ist es länger dunkel, das bedeutet: Mehr Melatonin. Im Frühling wird es dann heller und wärmer, also weniger Melatonin und ZACK – der Endgegner des Melatonin, das Serotonin, spielt den Winter aus. Um (direkt) wieder euer Ferkeldenken zu unterstützen, und weil ich schon einmal das Wort “Geschlechtsmerkmale” verwendet habe, kann ich es auch bildlicher erklären: Miss Piggy hat im Winter eine Grünseh-Schwäche, die sich aber im Frühling sofort legt. Und Kermit hat gerade da ein neues Cabrio gekauft. Selbst ich muss zugeben, dass ich nicht über den Hormonen stehe, obwohl ich sonst über Vielem stehe. (Der Realität zum Beispiel.) Im Frühling muss ich nämlich regelmäßig meine Liste mit den Frauen neu verfassen, die ich sofort ohne Bedenkzeit heiraten würde, wenn sie mich fragen würden. Die würdet ihr natürlich gerne lesen, aber: Die bleibt exklusiv und unter Verschluss.

Zugegeben – einen Haken hat der Frühling auch, und das nimmt ihm oft die gewisse Hormon-Erotik: Manchmal ist nicht LOVE in the air, sondern Pollenflug. Rund 20% aller Deutschen und Österreicher könnten davon betroffen sein, wenn Blumensex die Rotz-, Nies- und Augenrotproduktion ankurbelt. Und das ist wirklich nicht erotisch. Überall wo man hinkommt ist man als Nicht-Pollenallergiker der Leittragende, weil man quasi Meter für Meter angeniest, angerotzt oder angejammert wird. Macht ja nix, die können ja nix dafür. So eine Pollenwasserfall-Nase würde aber selbst aus einer Rihanna nur eine 2/10 machen.

Aber so ist das halt mal im Leben – alle richtig guten Dinge haben Nebenwirkungen und schlechte Seiten.
Rihanna, die pollenallergielos ist, weil sie mich noch nicht angerufen hat und sich das auf meine Heiratsliste auswirkt.
(Gleiches gilt für Katy Perry, bei ihr aber, weil sie schon verheiratet ist.)
Alle Bentley-Modelle, weil sie zu teuer für mich sind.
Frühling, weil er zu kurz für mich ist.