Kolumne

Wort zum Sonntag – Woche 29-2010: Frauen und ihr Alter

Ich fürchte: Ich kann gar nicht alt genug werden, um wirklich alle wichtigen Fragen, die mich manchmal beschäftigen, beantwortet zu bekommen.
Ist Lady GaGa echt nur eine einzige Person?
Ist die Korrelation der Hubble-Konstante im Verhältnis A zu U wirklich gravierend genug, um Ausdehnung in Kranzgebieten argwöhnisch zu betrachten, wenn diese rechnerisch nicht erfassbar sind und nur vermutet werden?
Wenn in Arabien ein Liter Trinkwasser wirklich mehr als ein Liter Öl kostet, wieso ist Faymann dann Kanzler und kein Scheich?
Wieso hat meine Flicflac, damals als ich 6 war, nicht geantwortet, wenn ich mit ihr gesprochen habe?
Sind Highheels Schuhe oder Waffen?
Wieso heißt Extrawurst Pariser?
Wieso heißen Pariser dann nicht auch Extrawürste?

Fragen über Fragen.
Daher hab ich mich schon mal psychisch darauf eingestellt und habe mich – meinem Intelligenzhorizont entsprechend – auf einige einfache, dennoch sagenumwobene Gebiete konzentriert.

Mysterium 1 – die Socken-Raumzeitverschiebung

Diesem Problem hab ich mich schon mal in einem anderen WzS gestellt – damals blieb das Mysterium ungelöst, daher hier nochmal die Wiederholung:
Warum zur Hölle verliert man so viel einzelne Socken?
Nie Paare.
Wo gehen die hin?
Holen Aliens sie ab und werden sie als Treibstoff genutzt?
Ein richtiger Zauberkasten für Socken ist ja die Waschmaschine – man gibt exakt 20 Paar rein, 18 Socken kommen wieder raus.
Wenn man also 7 mal pro Tag 20 Socken waschen würde, so würde man pro Jahr 5110 einzelne Socken verlieren.
In Andorra werden jährlich nur die Hälfte davon verkauft.
Eine beachtliche Zahl dennoch.

Mysterium 2 – das Bermuda Dreieck und der Sinn dahinter

Ist es wirklich ein Dreieck?
Könnte es nicht auch ein Kreis, ein Parallelogramm oder ein Oktagon sein?
Wurden die Badehosen danach benannt?
Oder das Dreieck nach den Badehosen?
Wie viele Passagiere haben bei Flügen über dem Bermuda-Dreieck mit Rückflug gebucht und wenn heute einer wieder auftauchen würde, würde man ihm den gut schreiben?
Was ist wirklich mit den dort verschwundenen Flugobjekten passiert?
(Haben die Russen sie geklaut, waren es die Aliens, oder war es die Deutsche Bahn, die dringend Klimaanlagen brauchte?)

Naja … ein wichtiges und auch kaum geklärtes Mysterium ist auch das weibliche Alter.

Mysterium 3 – “Wie alt … achso das darf ich nicht fragen” oder: Frauen und ihr Schlüpftag

(Jetzt kommt also das weibliche Mysterium schlechthin – eines davon zumindest. Natürlich gehören da auch Dinge wie das paarweise aufs Klo gehen oder die Tatsache dazu, dass Frauen Angst vor Spinnen haben – ALLE – Spiderman aber sexy finden … und der ist ja bekanntlich auch eine Spinne, nur mit Pyjama und größerem Pen … Pensum an Arbeit.)

Ich erzähle glaub ich keine Neuigkeit, wenn ich sage, dass Frauen UNHEIMLICH heikel sind, wenn es um ihr Alter geht.
Grundsätzlich gehört es sogar zum guten Tenor, nicht danach zu fragen. Das dürfen wir Männer einfach nicht.
Ein Fauxpas ist das, als würden wir über Fußball reden, uns am Hintern kratzen oder Furzwitze erzählen. (Ich weiß übrigens einen wirklich guten, sprecht mich dazu bitte an! Aufgefordert erzählt er sich leichter.) Erschwerend kommt dazu: Wir sind schlecht im Raten. Dazu aber später mehr. Das Mysterium ist also nicht nur, wie alt eine Frau wirklich ist, sondern auch, warum man nicht danach fragen darf.

Naja, nicht stimmt nicht.
Von 0 – 12 darf man, und ab 60 – 199 auch.
Von 0-12 gibt es noch Ballons zum Geburtstag und genau abgezählte Kerzen, deren Anzahl noch so gering ist, dass man seinen Häuslbauer-Kredit dafür nicht belasten muss.
Ab 60 kommt dann der Bürgermeister zum Gratulieren, ab 70 auch der Pfarer, und wenn man die 80er übertritt dann sogar der Landeshauptmann, wenn man nicht gerade in Wien oder Kalifornien lebt.

Sonst aber heißt es ganz feminin: “Ich will meinen Geburtstag nicht feiern. So ein Alter feiert man nicht mehr.”
(Geschenke wollen sie aber schon! Entweder ganz Geburtstag oder gar nicht – ein bisschen zählt nicht! Man ist ja auch nicht ein bisschen schwanger oder ein bisschen Mann.)

Nachdem Frauen uns ihr Alter nicht sagen, raten wir Männer dann oft – und wir sind alle schlecht darin. Als ich damals im Gymnasium meine 29 jährige Lehrerin auf 56 vor der ganzen Klasse schätzte (und leider war das mein voller Ernst), musste sie stark mit den Tränen kämpfen und hat mich vermutlich deswegen damals zur Buchbesprechung für das “Ägytpische Totenbuch” eingeteilt. (Andere bekamen JIM KNOPF & LUKAS DER LOKOMOTIVFÜHRER oder LADY CHATTERLY!!)
Ich habe heute noch schlaflose Nächte oder Träume deswegen … trockene, natürlich. Die Ägypter kannten nämlich 56 Wege, das Gehirn mit Eislöffeln zu entfernen und haben manchmal von der nussfarbenen Leber gekostet, wenn sie sie entfernt hatten. Als Gymnasiast will man das nicht wissen, und jedes Buch war Scheisse, wenn Tony Hawk oder Dr. Motte nicht drin vorkamen.

Warum also überlassen uns Frauen so grausam dem Schicksal?

Vielleicht liegt es ja teilweise auch an unserer Gesellschaft & den sozialen Lebensformen, die wir uns angeeignet haben.
Männer reden offen darüber.
Ich habe zum Beispiel kein Problem damit, zuzugeben, dass ich im Jänner 18 geworden bin. Ich darf aber schon seit 10 Jahren mit dem Auto fahren, weil ich ein unfassbares Talent bin. Da wurde eine Ausnahme gemacht – Doogie Howser durfte ja auch schon mit 12 einen Blinddarm operieren.

Die Biologie sagt: Frauen ziehen diese Alters-Masche durch, weil sie – mehr als Männer – ihre biologische Uhr hören und instinktiv denken, dass Männern sie nur “fruchtbar” (ich hasse dieses Wort) halten, wenn sie jung und frisch sind. Welch Unsinn! Fragen sie mal Jeannine Schiller. Die ist ja nach eigenen Angaben noch 25 und ich finde sie dennoch nicht “fruchtbar”.

Zugegeben: Wir Männer sind schon Idioten. Manchmal.
Da braucht man bei uns kein Forscher oder Darwin zu sein, um den Schimpansen in uns zu erkennen. Aber wirkliches Interesse – und das “wirklich” stellt ihr euch bitte rot und deutlich unterstrichen vor – hängt nicht vom Alter ab!

Liebe Damen – wenn euch jeMANNd nach eurem Alter einteilt oder beurteilt und / oder fallen lässt, dann wollt ihr sowieso nicht wissen, was er sonst so von euch denkt.
Bei einem Gespräch oder einer Beziehung auf gleicher Wellenlänge, sind 1,2,3 …. oder mehr Jährchen auf und ab egal.
So würde ich es zumindest sagen – und ich stehe zu meiner Meinung.
Werte Damen, schickt Männer, die das machen, ruhig in die Wüste ohne Trinkwasser, die haben das nicht anders verdient und für uns Coolen bleibt dann mehr übrig.
Meine Oma hat immer gesagt: Es ist egal WANN man geboren wurde, wichtig ist, dass man es wurde.
Und da hatte sie recht.
Auch, wenn sie mir damals im Gymnasialalter sicherheitshalber geraten hat, Altersschätzfragen künftig nicht mehr zu beantworten.
Habe ich dann auch nicht mehr gemacht und nächstens mal still und heimlich das Ägyptische Totenbuch verbrannt.
Augenzeugen berichten, dass ich dazu nackt und wirr singend um das Lagerfeuer getanzt habe – das sind aber nur Gerüchte, und die sind – wie Mysterien – immer nur Ansichtssache.
(Dumm nur, dass ich es versehentlich VOR der Buchbesprechung verbrannt habe, und somit ein zweites kaufen musste. Und das gibt es heute noch – aus Respekt und weil ich mich heute nicht mehr traue, nackt zu tanzen. Außerdem habe ich alle “Die Mumie” Teile gesehen und möchte nicht, dass Brendan Fraser wegen mir Ärger kriegt.)