Wort zum Sonntag – Woche 13-2011: Die Mumien Offenbarung
Billiges Kabarett ist auch Kabarett. Nur eben billig. Und dieses Thema kommt gerne in billigem Kabarett vor – ich weiß. Dennoch erachte ich es als so wichtig, dass man es mal extrahiert / interpoliert erwähnen sollte. (Gleiche Wichtigkeitsstufe wie Steuer pünktlich zahlen, Parkticket vor dem Ausfahren aus dem Parkhaus suchen, immer 1 € Münzen dabei haben, Weichspüler, kontrollierender Achselschnüffler bevor man das Haus verlässt …)
Es gibt Dinge, die wir Männer nur für Frauen tun. Ausschließlich. Und damit meine ich jetzt nicht so Sachen wie uns dumm aufzuführen oder zu flirten mit der Grazilität eines in der Kreidezeit lebenden Urhirschen. Ich meine wahrhaft große Dinge, Dinge die unser Leben nachhaltig beeinflussen. Oder beschneiden:
Das Unterdrücken sämtlicher (notwendiger!!) Körpergeräusche & Körperfunktionen
Lektion 1 – Husten
Frauen husten nicht, wenn es nicht sein muss. Husten ist rüde, ungehobelt und schickt sich nicht. Erst wenn die Lunge droht zu explodieren, wird bei Frau hemmungslos gehustet. Dann aber nur in einem separaten Raum. Vorher wird der Husten unterdrückt, was das Zwerchfell hält – als Mann merkt man den Husten einer Frau nur an ihren sich intervallsmäßig aufblasenden Backen und dem gedrungen “hmhhhhm”-Geräusch. Nun ist es ja so, dass Frauen grundsätzlich machen dürfen, was sie wollen – nur Männer eben nicht. Frauen erwarten diese Zwerchfell-Akrobatik also auch von uns. Unsere Lungen sind aber größer. (Vergleichsdarstellung: Glühbirne & Mond.)
Wir müssen husten! Nicht immer weil wir Raucher sind oder ein Feuer gelegt haben. Abgestraft werden wir mit dem “Was hustest du denn in der Öffentlichkeit du Idiot”-Blick, der zu sofortigen männlichen Kopfschmerzen führt. Kommt er öfter vor, wird bei dem Betroffenen auch ein verschämter Blick in Richtung Boden festgestellt.
Lektion 2 – Bartwuchs
Wir Männer sind schnell mit uns zufrieden. Wir müssen nicht Terence Hill sein, wir begnügen uns mit den optischen Reizen eines Bud Spencers. Dazu gehört auch, dass wir der biologischen Fauna in unserem Gesicht gerne freien Wuchs lassen. Das wollen Frauen nicht, weil es – richtig – ungehobelt wirkt. Also heißt es – RASIEREN! Frauen machen sich aber gar keine Vorstellung davon, wie brutal das ist. Man fährt sich mit durch Weltraumtechnik geschärften, parallel angeordneten Klingen im Gesicht herum. Die Chancen, wichtige Blutgefäße zu erwischen stehen sehr groß. Oft trennt uns nur ein ausbleibendes Telefonklingeln oder ein nicht stattfindendes Schreckgeräusch davon, erheblichen Blutverlust zu erleiden, der mit dem Jahresklopapierverbrauch von Montserrat wieder gestillt werden muss.
(Meine Meinung: Mumien hat es nie gegeben. Das waren alles Ägypter, die sich beim Rasieren geschnitten haben. Hätten wir also auch geklärt, warum das WzS diesmal so heißt.) Schwierig ist es, wenn man dann auch noch mobil sein muss – im Urlaub zum Beispiel. Frauen müssen in den hoteleigenen Nassräumen ja nichts anfassen. Wir Männer beim Rasieren schon – und wir wissen: So mancher Fleck ist Zeuge von längst vergessenen, aber deutlich besseren Zeiten. Bakterien und Keime fliegen durch die Luft, als wären sie Birkenpollen in der Tundra. Während wir uns mit kleinen Messern im Gesicht herumschneiden und offene Wunden erzeugen! Das macht Hotelbadezimmer sogar für Epidemiologen interessant.
Lektion 3 – Körpergerüche
Liebe Damen, keine Frage: Gestank und beissender Geruch sind keine Lösung. Aber habt ihr euch schon mal Gedanken gemacht, aus was Parfum womöglich gemacht wird? (Nur meine Theorie.) Aus toten Tiere, Urin von Nutzvieh, aus chemische Säuren, Abfall, zerhackten Geschlechtsdrüsen usw – und sowas zwingt ihr uns, täglich raumgreifend zu verteilen?
Lektion 3b – Hautcreme
Frauen kennen viele Arten von Haut: Fettige Haut, trockene Haut, sonnenempfindliche Haut, strapazierte Haut, helle Haut, feuchte Haut, reife Haut, junge Haut, mittelanspruchsvolle Haut, Gesichtshaut, müde Haut, Mischhaut.
Männern kennen nur eine Art von Haut: Haut.
Genau das ist auch der Grund, warum wir uns nicht sonderlich viel aus Hautcreme machen. Wir haben auch kein Problem mit Falten. Falten sind für uns Männer ein Seelenspiegel und zeigen dermatologisch, welch Leid wir schon ertragen mussten. Dennoch bemalen wir uns mit dem Zeug aus der blauen Dose, wenn ihr es uns hinlegt. Weil es zu einfach zu kontrollieren ist, und wenn wir das nicht tun, dann gibt es eine mündliche Verwarnung.
Ja, man sieht – viel zu tun für uns. Und wieso machen wir Männer das dennoch alles, wenn es uns stört? Klar, weil wir wissen, dass wir euch das schuldig sind. Wir bauen sonst so viel Mist und machen Unsinn, dass wir euch diese Kleinigkeiten gerne zugestehen. An sich geht es uns auch nicht ums Jammern oder Rumheulen, sondern nur, dass ihr mal wieder daran erinnert wird, dass für euch selbstverständliche Dinge für uns oft großer Aufwand sind. Uns ist, trotz unseres recht begrenzten Hygiene-Bewussteins, aber klar, dass es uns schlimmer hätte treffen können. Und somit ist das heute hier eigentlich kein Onlinepranger, sondern eher eine Dankbarkeitsbekundung. Danke, dass wir uns nicht schminken müssen. Danke, dass uns Schuhe nichts bedeuten! Danke, dass wir nicht auf Dekoration oder Kissen stehen. Danke, dass wir uns notfalls nur im Gesicht rasieren müssen! Danke, dass unser Leben so viel einfacher ist!


