Kolumne

Wort zum Sonntag – Woche 06-2011: Die Wahrheit über NERDS

Wir leben in einer Zeit voller Gerüchte.
Nächste Woche wird der Benzinpreis die magische 3 Milliarden Euro-Grenze pro Liter übersteigen.
(Nicht wegen mir!)
Im Februar wird das neue ipad kommen.
(Nicht für mich!)
Kurz darauf wird Paris Hilton schwanger werden.
(Nicht von mir!)

Das alles sind mehr oder weniger vage Gerüchte, deren Wahrheitsgehalt man nicht eindeutig beurteilen kann.
(Außer natürlich dem, dass ich etwas mit der Schwangerschaft der Hilton zu tun hätte …)

Definitiv FALSCH sind aber die Gerüchte, die es so über Nerds gibt.

Nerd [nɜːd] (engl. für Langweiler, Sonderling, Streber, Außenseiter, Fachidiot) ist ein gesellschaftlicher Stereotyp, der für besonders in Computer oder andere Bereiche aus Wissenschaft und Technik vertiefte Menschen steht.
Auszug: wikipedia.de

Um es mit dem Volksmund zu sagen:
NERDS sind Menschen, die sich in einem gewissen Bereich besonders gut auskennen und dafür in (vielen) anderen Bereichen Defizite haben.
Wobei “Defizite” wirklich sehr charmant ausgedrückt ist. Manchmal sind es wirklich soziale Desaster!

Wie man es auch nennen mag … Nerds sind in erster Linie eines: Völlig falsch verstandene Menschen, denen oft Dinge angedichtet werden, die nicht stimmen.
Weil wir in der heutigen Welt Kompetenz einfach nicht mehr zu schätzen wissen.
Daher habe ich mich dazu entschieden – stellvertretend für alle Nerds weltweit – 5 wichtige Vorurteile gegen Nerds aus der Welt zu schaffen.

Wahrheit 1 – Als Nerd wird man nicht geboren

Es ist nicht so, dass sich der Geburtskanal öffnet, es Plumps macht, und ein kleiner, heulender Bill Gates mit Brille und eklig blauer Nabelschnur da liegt.
(Ich habe nur sehr wenig Information über die Topographie des Geburtskanals, aber ich stelle mir vor, dass Nerdbrillen da drin nicht gerade bequem sind.)
Bei der Geburt sind Nerds nicht mal sonderlich besser oder klüger als andere Menschen.
Auch sie müssen gefüttert werden, kacken ökonomisch immer 10% mehr als die handelsübliche Windel fassen mag und können noch keine toten Fremdsprachen wie Latein oder Hochdeutsch.

Nerd wird man erst durch die sogenannte Nerdvolution.

Wahrheit 2 – Die Nerdvolution

Das ausgeprägte soziale Bild des Nerds entwickelt sich erst voll in der Pubertät oder – wie sie wegen Hollywood genannt wird – in der Highschool-Zeit.
Dort entscheidet sich, ob man im Sozialgefüge anerkannt und beachtet wird oder ob man zu den Nerds gehört.

Wer immer noch nicht weiß, was ein NERD wirklich ist, dem sei gesagt: DU, ja DU, bist bestimmt mit einem zur Schule gegangen!
NERDS sind die Typen, die in er ersten Reihe sitzen – obwohl sie eine Brille tragen, wirklich gut in Mathematik sind, eine Turnbefreiung haben, nie bei Parties zu treffen sind und die bei Mädchen extrem akzeptiert sind, weil sie in ihnen keine potenziellen Paarungswerber sehen.

Hatte man zu meiner Zeit mit 16 gerade mal die erste Vorstrafte, arbeiten Nerds heute mit 16 bereits an ihrem ersten Cloudcomputing-System …

Wenn NERDS diese Zeit überleben, und das tun sie meistens, weil sie Gefahr meiden, dann werden sie zu Nerdenbürgern.

Wahrheit 3 – Nerdenbürger

Nerds sind keine Aliens.
Auch wenn sie ganz anders sind als sie – und vielleicht ich.

Man muss nur ihre Sprache sprechen.
Ok, ich weiß … oftmals ist das nicht so einfach.
Aber es kann sich durchaus lohnen. Vielleicht sogar finanziell.
Bill Gates, Larry Page, Steve Jobs – alles ehemalige und ausgewachsene Nerds, sind heute Multimillionäre.
Hätte man sich mit denen früher angefreundet, hätte man heute einen guten Job im Vorstandssegment von Technologieunternehmen und müsste sich nicht tagtäglich abrackern. Tja, wie gesagt … Nerds regieren die Welt!
Als Tipp dafür führe ich das Buch “Klingonisch für Anfänger” an, es könnte dabei helfen, wirklich jeden Nerd zu erreichen!

Wahrheit 4 – Nerds sind keine Langweiler

Nur weil Nerds gerne über George Lucas sprechen, ihre Mutter etwas überdurchschnittlich toll finden und bis 30 daheim wohnen, bedeutet das nicht, dass sie Langweiler sind!
Wer in seiner Freizeit homolanisch lernt, den Quellcode von Windows auswendig kennt oder den dunklen Spiderman aus Kieselsteinen bastelt, ist so beschäftigt, dass er einfach zu nichts anderem mehr kommt.
Wer das nicht glaubt, kann es gerne mal selber testen.

Deswegen sind auch nahezu alle NERDS überzeugte Singles.
Nicht weil sie kein Interesse an Frauen hätten, sondern weil sie keine Zeit dafür haben.
(Ja, das macht einen Unterschied: Ich zum Beispiel könnte schon Governor eines amerikanischen Bundesstaats sein, wenn ich wollen würde, ich hatte nur bisher keine Zeit dafür …)
Und dennoch: Nerds werden nachhaltig die Welt verbessern.

Wahrheit 5 – Nerds werden nachhaltig die Welt verbessern

Sie lassen sich nicht vom alltäglichen Leben ablenken, der Umgang mit Menschen ist ihnen egal, unnützer Zeitvertreib wie Brautwerbung, Freundeskreis oder Weltgeschehen ist ihnen fremd.
Damit legen sie den Fokus auf das wirklich Wichtige.
Was kann man von Mister Spock lernen?
Wo wird die Skynet-Zentrale gebaut?
Was macht Chuck Norris so unschlagbar?
Wieso versteht die Welt den Reiz von karierten Rollkragen-Pullovern nicht?
Damit beschäftigen sich Nerds. Täglich.
Während ein Normalo-Mensch alle 13 Sekunden an Sex denkt, tun Nerds sinnvolle Dinge.
Sie denken an Firmengründung in Garagen. Sie denken an Quentin Tarantino und seine Plattensammlung.
Sie denken darüber nach, ob KITTS Lichter LEDS oder doch eher Glühlampen waren.
Und damit werden NERDS auch weiterhin dazu beitragen, dass unsere Welt besser wird.
Das werden sie nicht laut tun. Sie werden sich damit auch nicht brüsten. Haben sie nicht nötig.
Sie brüllen nicht vor Selbstbeweihräucherung. Das verabscheuen sie sogar.
Aber:
Sie werden die Welt retten.
Sie werden es leise tun – über technologische Entwicklung.

Man kann über den herkömmlichen Nerd also sagen, was man will.
Nur eines nicht: Dass er sich keine Mühe geben würde.
Denkt das nächste Mal dran, wenn ihr draußen einen seht.
Respektiert ihn.
Denn eines ist klar: Irgendwann werdet auch ihr den von ihm erfundenen Teleportationsbeamer oder die Weltall-Vakuum-Toilette nutzen wollen.
Irgendwann ist euer Kind vielleicht ein Nerd und möchte Singularitäten oder Photonenkanonen erforschen.
Und dann werdet ihr euch wünschen, Nerds schon früher respektiert zu haben!