Wort zum Sonntag – Woche 50-2010: Eine Geschichte voller Missverständnisse
Mein Ruf (von zweifelhafter Natur!) hat sich herumgesprochen und manchmal werde ich zu fachlich sehr heiklen Themen konsultiert.
Die Leute wollen meine Meinung, weil sie danach wissen, dass es nach dem Unsinn, den ich “MEINUNG” nenne, nur mehr bergauf gehen kann.
Aber wie gesagt – auch das ist ja in gewisser Weise ein “Ruf” …
Diesem Ruf gehe ich, in meiner Eigenschaft als selbstüberzeugter Klugscheisser, sehr gerne nach.
Ich verstehe das ja auch – warum zu den ??? gehen wenn man auch Sherlock Holmes haben kann?
Diese Woche möchte Frau Professor Dr. Ines G. (Nachname wurde verschlüsselt, ich weiß nicht, ob sie in der Öffentlichkeit vorbehaltlos erkannt werden will) wissen, wie ich als Universalgelehrter denn die Entwicklung der menschlichen Paarungsanbahnung (auf Deutsch: Wos geht mit die Aufrisse?) sehe.
Wie hat sich diese in den letzten Jahren verändert?
War früher alles besser?
Natürlich war früher alles besser!
Gehen wir gedanklich mal zurück, so in die Zeit der Neandertaler.
Vielen von uns wird das – zugegeben – schwer fallen, weil sie nicht selber dabei waren. Die meisten zumindest.
Neandertaler sind ein interessantes Kapitel und werden gerne als Beispiel genommen.
Sie waren zwar oft Deutsche, ich finde aber, man kann sie dennoch für einen repräsentativen Schnitt zu Rate ziehen.
Neandertaler hatten nie Schwierigkeiten damit, einen Partner zu finden. Damals fand man als Mann noch leichter eine Frau – und umgekehrt.
Im Prinzip war es da so einfach als würde man ein Stück weiche Torte in ein Seniorenheim werfen.
Die Neandertalerfrau brauchte nicht einmal Schminke oder Reizwäsche, schon gar keine OPs oder Handtaschen und dennoch sind die Neandertalermännchen in totales Sabbern ausgebrochen, wenn sie nur ihre Umrisse erahnt haben!
Natürliche Schönheit und nahezu unbremsbarer Vermehrungstrieb haben gesiegt.
Man fand sich damals sympathisch, hat sich beschnüffelt und schon gehörte man ein Neandertalerleben lang zusammen.
(Was übrigens ca. 35 Jahre lang war.)
Scheidungsanwälte gab es nicht und wenn doch, dann hatten sie noch kein so gutes Standing wie heute.
(Oder mehr am Werbeverbot gelitten als sie das heute tun.)
Heute ist das alles viel schwieriger geworden.
Wann genau der Schwierigkeitsgrad erhöht wurde, weiß man nicht – ich persönlich vermute, es war irgendwann im Mittelalter.
Da sind ja auch viele andere schlimme Dinge passiert.
Drachentötungen, Hexenverfolgung, Feudalismus, Kochen von Innereien, Rückenschmerzen durch schwere Rüstungen usw. Da würde das passen.
Plötzlich machten sich Frauen exklusiver und Männer wurden fauler.
(Desto härter die Torte, desto weniger brauchbar ist sie im Altersheim!)
Hatte man früher noch gejagt oder gekämpft, um eine holde Dame zu erobern, so war man jetzt nur mehr bereit, zu rotzen oder zu grunzen.
(Was bekanntlich nur ausreicht, wenn man ein Schwein oder einen Hund erobern möchte.)
Die Schere zwischen Anbahnung und Ansprüchen klaffte weiter und weiter auseinander.
Man kann also durchaus zusammen gefasst sagen:
Seit der Mann (bzw der Mensch generell) seine körperumfassende Behaarung verloren hat, tut er sich schwerer, die Scheu fallen zu lassen.
Nun überwiegt die Angst davor, irgendwie zurückgewiesen zu werden.
Dabei ist es so einfach, oder vielleicht sehe ich es auch nur so.
Im Umgang mit anderen Menschen – oder Frauen – sollte man dem Gegenüber nichts vormachen. Man sollte ehrlich und aufrichtig sein, dann tut – egal was kommt – es nicht mehr so weh.
Es gibt da das bekannte Sprichwort, dass man den Wald nicht vor dem Glashaus loben sollte, wenn man vorhat, hineinzurufen.
Und das gilt für das gesamte Leben.
Schluss mit dummen Sprüchen und Oberflächlichkeiten, mit Anmachtricks oder Hintergedanken.
Einfach ehrlich, höchstens originell sein.
Denn: Unser Gehirn mag zwar fast um ein kleines Saftpäckchen kleiner sein als das des Neandertalers, aber selbst wir merken noch instinktiv, ob das, was wir hören, Playback oder live ist.
Wenn ihr wisst, was ich meine.
Wenn nicht, dann kann ich es noch direkter sagen:
Aufrichtiges Interesse ist durch nichts in der Welt zu ersetzen, und wenn man es faked, dann beschädigt man nur sich selber oder sein Gegenüber.
Und das ist tunlichst zu vermeiden.
Somit hoffe ich auch, Frau Professor G.s Frage beantwortet zu haben und kündige ihr hiermit gleich an, dass eine saftige Rechnung folgen wird. Während dem Verfassen dieser Worte stehe ich nämlich im Park- & Halteverbot und um die Strafen, die wir hier im noblen Teil von Österreich haben, kann man sich in Monaco ganze Yachtfabriken kaufen. Frau Professor G., sie werden es sich schon leisten können – und wenn nicht, kenne ich (gerade zur Weihnachtszeit) kein Pardon!
Wohl bekomm’s!
[Anhang in eigener Sache]
Das war es mit dem Wort zum Sonntag 2010.
Das nächste Exemplar wird schon ein 2011er Datum tragen und daher nutze ich den freien Platz, um mich bei den Lesern zu bedanken und um nochmal darauf hinzuweisen, dass ich stets für Liebesbekundungen, gut dotierte Autorenjobs und Angebote, die Weltherrschaft zu übernehmen, offen bin. Danke.
[/Anhang in eigener Sache]
—–
Wenn jetzt die Frage auftaucht, was das überhaupt soll, und wer das überhaupt geschrieben hat …
Naja – Ich, Bernhard Hochrainer.



gefällt mir sehr gut :-) ich würd noch gern wissen, ob es männer gibt, die wirklich zu schüchtern sind, ihr interesse zu zeigen – oder ob das dann wirklich stimmt was man so sagt: “er steht einfach nicht auf dich” ;-) aber diese frage stelle ich jetzt einfach nur mal so in den raum… es sei denn du hättest bei deinen forschungen eine antwort darauf gefunden :P
Kann ich dir Frage nochmal hören?
;-) das war “deutsch-frau”, “deutsch-männlich” kann ich leider nicht… hast keinen telefonjoker? :P
Wie soll ich was in etwas übersetzen lassen, von dem ich die Ausgangslage schon nicht verstehe? ;)
ist das ernst gemeint, dass du die Frage nicht verstehst? Nein oder?
Ja :(
man hört/liest ja immer wieder mal “wenn ein mann auf eine frau steht bzw sie interessant findet, dann spricht er sie auch an. egal wie schüchtern er ist! denn wenn er sie toll findet, dann ist ihm seine schüchternheit egal.” für eine frau soll das in etwa bedeuten: wenn er dich nicht anspricht, dann brauchst du ihn auch nicht ansprechen, weil dann interessiert er sich eh nicht für dich.
Nein, das ist der Grund, warum es Spiegel gibt.
Und rationales Denken.
das versteh ich jetzt wiederum nicht… haha. na macht ja nix…
OOOPs … übersehen. Naja das ist sehr schwer zu erklären.
Im Prinzip ist es aber Unsinn – weil es so viel Gründe gibt, warum ein Mann eine Frau nicht anspricht.
Vielleicht denkt er sich auch, dass es sowieso nix bringt …
Danke. Dann bin ich beruhigt ;-) ich bin außerdem draufgekommen, dass man es eher bereut, dass man zu feige für etwas war, als darüber, etwas getan zu haben. Egal worum es geht.