Kolumne

Wort zum Sonntag – Woche 01-2011: Big BOOM Bang!

Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr ist meistens die Zeit, in der Bilanz gezogen wird.
Bilanz über das, was war.
Und natürlich öffnen sich die Gedanken schön langsam auch für das, was sein wird.

Zu verdanken haben wir diese klare Trennung der Tatsachen, dass irgendein kluger Kopf – nennen wir ihn hier stellvertretend Karl Heinz Kalender – den Jahreswechsel erfunden hat, aber auch dem Faktum, dass Raum und Zeit fest miteinander verbunden sind. Kein esoterischer Mist, sondern solide Physik, geprägt von den unfehlbaren Köpfen Cavendish, Hubble und Einstein. Drei große Denker und Wissenschaftler, die dafür gesorgt haben, dass wir wissen, wie eigentlich Zeit genau vergeht. Und das obwohl Cavendish Angst vor allen Menschen hatte, die nicht seine Mutter waren, Einstein ständig seine Zunge gezeigt hat und Hubble den Spitznamen “HubbiliBubbili” ertragen musste.
Beachtliche Leistung!

Nur weil es RAUM gibt, es es auch ZEIT. Und umgekehrt.
Ohne Raum keine Zeit, ohne Zeit kein Raum.

(Wer sich jetzt erste Gedanken über das Ausschweifen macht, dem sei gesagt: Es wird kurz noch schlimmer, aber nicht viel!)

Viele Physiker glauben, dass unsere Zeit in Richtung Zukunft nur so läuft, wie sie läuft, weil sich das Universum ständig ausdehnt. Es wird größer, obwohl es im Prinzip schon unendlich ist.
Daher gibt es auch ein worst case Szenario, einen absolut schrecklichen Ausnahemfall – eine Gehirnwixerei von Astrophysikern:
Irgendwann könnte das Universum aufhören sich auszudehen und kleiner werden.
Das würde bedeuten: Die Zeit würde rückwärts laufen!
Diese Theorie vertritt unter anderem der große Stephen Hawking – und das tat er schon bevor er zu einer gruseligen Roboterstimme mit Superhirn wurde.

Was auf den ersten Blick durchaus amüsant klingt, ist auf den zweiten ein ziemliches Desaster.

Man müsste dann ziemlich heikel unterscheiden zwischen …
… Momenten die man ändern würde, weil sie “damals” in die Hose gegangen sind.
… Momenten die man nicht ändern würde, weil sie “damals” ziemlich cool waren.
… Momenten die man einfach so lassen würde, weil sie weder gut noch schlecht waren.

Zuerst mal müsste man sich bei einigen Dingen, die man vor hat, beeilen.
Es könnte schnell passieren, dass man plötzlich nicht mehr zu alt – sondern ZU JUNG – dafür sein könnte.
Für Pilotenschein, Paläontologie-Studium und Pornokino darf man ein gewisses Mindestalter nicht unterschreiten. Diese gesetzlichen Richtlinien werden sich vermutlich auch bei schrumpfendem Universum nicht ändern.

Wir müssten zweimal mit unseren Ex-Partner Schluss machen bzw das Schluss machen auch wieder aufheben können, was ziemlich schwierig wird, wenn man mal per SMS oder vollgekotztem Wohnzimmer eine Beziehung beendet hat. Dann wäre man wieder mit jemandem in einer Partnerschaft, von dem man weiß, dass man sich eigentlich bereits wegen einem total nervigen Grund getrennt hat.

Materiell muss man bescheidener werden! Alles, was man sich gekauft wird, wird mit umgekehrtem Datum wieder verschwinden, weil man es sich bei rückläufiger Zeit dann nicht mehr gekauft hat. Erwachsene Dinge werden von kindischen Sachen ersetzt.
Die Playboys unterm Bett werden zum Lustigen Taschenbuch.
Die Woman wird zur Wendy!

Als nächstes sollten wir uns darauf vorbereiten, dass wir die Pubertät von der anderen, weit schwierigeren Seite durchmachen müssen. Wir fangen beim harmlosen Ausklang an und gehen direkt in die Legospielphase …

Und dann … naja. Ich vermute, es würde das gute Verhältnis zur Mutter ziemlich beeinträchtigen, wenn man weiß, dass man gezwungenermaßen wieder einmal da hin muss, wo man hergekommen ist.
Ihr wisst, was ich meine.
Mütter würden es sich nicht anmerken lassen, so sind sie eben, nehmen Dinge stoisch hin, aber ganz zufrieden sind sie mit dieser Vorstellung sicher nicht.

Haben wir dann das Benjamin Button – Leben gelebt und stehen kurz davor, es mit dem Gegenteil der Geburt – also der Zellkernwerdung – wieder zu beenden, müssen wir Resume ziehen.

Und ich bin mir sicher: Obwohl wir retour gelebt haben und für manches eine zweite Chance bekommen haben, wird es so ausfallen, dass manche Dinge gut waren und manche eben nicht.
So ist das Leben nun mal.
Wir können süß nur deswegen schmecken, weil wir auch sauer schmecken können.
Wir können heiß nur wahrnehmen, weil wir auch Kälte spüren.

So ähnlich wird es ja auch mit 2010 sein.
Das ist aber – so sehe ich es mit meiner beschränkten Sichtweise zumindest – auch ok so.
Um gute Dinge schätzen zu wissen, brauchen wir auch mal nicht so gute.
Nur Gutes würde uns irgendwann langweilig werden. Nur Schlechtes würde das Leben zu einer Farce machen.

Daher kann man – astrophysisch, philosophisch und lehrreich – sagen: Wenn wir in knapp einem Jahr auf 2011 zurück blicken, darin gute und auch schlechte Dinge sehen, aber damit zufrieden sind, war es ein gutes Jahr.
Es muss ja kein Disney-Kitschfilm sein, nein wirklich nicht. Aber auch kein Tarantino-Splatter.
Irgendwas dazwischen.

Und genau das wünsche ich uns allen – ein gutes Jahr 2011!
Mögen die Ausschläge nach oben öfter vorkommen als die nach unten.