Fail / 3 legendaere Irrtuemer der Netzgeschichte
Irren ist menschlich. Natürlich. Manchmal kann dieses menschlich sein aber auch ganz schön weh tun – weil der Irrtum dann richtig richtig groß ist. Wer mich kennt, der weiß: Sowas interessiert mich besonders. Wie hätten sich die Dinge geändert, wenn alles ganz anders gekommen wäre? Oft hätte eine kleine Sache, die anders gelaufen wäre, ALLES verändern können.
Hier meine Top 3 der Irrtümer, die die Internetwelt nachhaltig verändert haben – oder verändert hätten, wenn sie eben KEINE Irrtümer gewesen wären:
Die Musikbranche und Napster
Mit Napster hat alles angefangen, was heute bei den grusligen Downloadportalen, 128er MP3s und preisvorgebenden Äpfeln gelandet ist. Wenn man die Situation im Nachhinein betrachtet (und da ist man ja bekanntlich immer klüger), dann ist klar: Die Musikindustrie hätte damals beim Aufstieg von Napster & Co nicht zögern dürfen, und Gegenkonzepte gebraucht. Konzepte, die sich mit der kommerziellen Verwertung von Musik im Internet befassen hätten sollen.
Das kuriose daran ist: Napster selbst hatte mehrmals solche Konzepte vorgetragen und die einzelnen Majorlabels damit abgeklappert. Darin enthalten waren lukrative Verkaufsmodelle, Streaming-Angebote usw. – also all das, was heute State of the Biz ist. Damals wollte das aber keiner, weil Napster Feindbild Nummer 1 war. Deshalb entschied man sich dazu, seine Zeit und Ressourcen lieber mit Prozessen zu vergeuden, die meist ins Nichts führten. Oder ins benachbarte “Nicht viel”. Tja, heute ist man klüger. Wäre man das doch lieber damals auch gewesen.
Microsoft mag den ipod & itunes nicht
Tony Fadell ist ein Superhirn. So wie Stephen Hawking, Professor John Frink oder der Typ, der die Red Bull Formel 1 Wägen baut. So ist es kaum verwunderlich, dass er es damals war, der sich die ipod & itunes Sache ausgedacht hatte – ein System zwischen Hardware und Software, Entertainment und Shop. Das Problem war nur: Niemand wollte es haben. Keiner sah die Perspektive. Microsoft glaubte nicht an den ipod, Real Networks auch nicht. Tja – einer glaubte dann schon daran, Steve Jobs. Und was daraus wurde, ist weitläufig bekannt.
Yahoo & Facebook
Facebook ist groß. Richtig groß. Das weiß man nicht erst seit diesem merkwürdigen Kinofilm. Yahoo dagegen wird kleiner – wie ein Fahrradschlauch, der irgendwo ein klaffendes Loch hat. Das war aber nicht immer so – meistens begegnen sich solche Unternehmen mal auf Augenhöhe oder treffen den jeweils Anderen auf dem Weg nach oben. So war es auch bei Facebook & Yahoo. 2006, 2 Jahre nach der Gründung von Facebook, findet Yahoo, dass es prima wäre, wenn man so ein soziales Netzwerk besitzen würde. Wer weiß, wofür man das Zeug noch gebrauchen kann. Also folgt ein lukratives Angebot an Hrn. Zuckerberg und Co – eines, dass er und seine Kumpels sofort annehmen wollen. Dann allerdings passiert einiges bei Yahoo, und die verkleinern ihre Angebotssumme in letzter Sekunde – ganz kurz bevor ein funktionierender Kuli gefunden ist, um zu unterschreiben. Diese Preisreduzierung verärgert Facebook, und es sagt: Nö, wollen wir so nicht.
Naja. Die Folgen sind bekannt. Heute ist Facebook Platzhirsch, Yahoo eventuell nur mehr Freiwild in der Jagdsaison.
Zum Schluss bleibt die Frage …
ob man diese Dinge alle verhindern hätte können bzw ob man die Lage richtig einschätzen hätte können. Ich vermute mal … NEIN. 100% nicht. Manchmal irrt man sich eben. Manchmal passieren völlig unkalkulierbare Dinge. Und so dürfte es auch hier gewesen sein. Da machen das Internet und seine Wirren keine Ausnahmen. Kismet is a b**ch, sagt schon ein Sprichwort. Und so muss man diese Dinge auch sehen – nicht als “Hätten sie besser wissen können”, sondern als “Ist damals eben so gewesen”.
Anmerkung: Ja, natürlich werden da viele andere Dinge in den Top 3 sehen – sind ja auch nur MEINE Top 3. Daher erklärt sich natürlich auch leicht, warum 2 von 3 Rankings mit Musik zu tun haben.


